Inhalt: Im kleinen japanischen Dorf Nevada herrscht Bandenkrieg. Die Genji - in weiß gekleidet - kämpfen gegen die rot gekleideten Heike. Beide Banden suchen nach einem Goldschatz, der irgendwo im Ort versteckt sein soll.
Eines Tages reitet ein wortkarger, schwarz gekleideter Fremder (Hideaki Ito) in die Stadt. Binnen weniger Minuten stellt sein Colt eindeutig klar, dass sich niemand mit ihm anlegen sollte, was natürlich beide Gruppe dazu veranlasst, um seine Gunst zu buhlen.
Doch der Fremde entscheidet sich für keine der Banden sondern nistet sich bei einer Greisin ein, die sich um ihren Enkelsohn kümmern muss, da seine Eltern von den Gangstern getötet wurden.
Aber auch die Gangster schlafen nicht. Während der Fremde sich mit den Dorfbewohnern anfreundet, planen sie, mit Hilfe einer Geheimwaffe endgültig im Dorf aufzuräumen und den Schatz zu finden. Doch der Fremde hat etwas dagegen, wenn man seinen neuen Freunden an den Kragen will...
Kommentar:Die Story ist eigentlich vollkommen egal und viel bietet sie nicht. Im Endeffekt ist "Sukiyaki Western: Django" ein lockeres Remake eines Remakes. Ausführlicher gesagt: zuerst war da Kurosawas "Yojimbo", der in Italien mit Clint Eastwood als "Für eine Handvoll Dollar" neu verfilmt wurde. Ebenfalls lehnt sich "Sukiyaki Western: Django" natürlich locker an "Django" mit Franco Nero an, will sogar eine Art Prequel sein.
Aber ein asiatischer Western? Neben dem thailändischen "Tears Of The Black Tiger" fällt mir da keiner ein, wenn man von kleinen Ausflügen japanischer Darsteller in Western absieht (z.B. Toshiro Mifune als Samurai in "Rivalen unter roter Sonne").
Einzigartig ist sicherlich, dass es nicht nur ein asiatischer Western ist sondern dass der Film auch gänzlich in englischer Sprache gedreht wurde (mit einer kleinen Ausnahme). Anfangs muss man deshalb auch wirklich sehr, sehr genau hinhören. Viele der Darsteller sprachen einfach nur nach, was man ihnen vorher beibrachte und waren sich offensichtlich überhaupt nicht über die Bedeutung der Worte bewusst. Das erklärte z.B. die oft vollkommen falsche Intonation der Sätze, worunter dann auch die darstellerische Leistung der meisten Schauspieler enorm litt.
Einer der Darsteller sprach sogar so undeutlich, dass man seine englischen Sätze im Film simultan von einem immer an seiner Seite stehenden Dolmetscher übersetzen liess. Christian Storms, Darsteller des Dolmetschers, war auch hinter der Kamera für die Übersetzungen zuständig und brachte den japanischen Darstellern bei, englische Worte zu sprechen. Wenn man sich aber daran gewöhnt hat, versteht man tatsächlich den größten Teil der Dialoge und kann sich sogar köstlich dabei amüsieren.
Umwerfend war das Set. Hier gab es einfach keine Kritikpunkte. Miike liess eine Westernstadt aufbauen, die jedoch im japanischen Stil gehalten war. So verpasste er japanischen Häusern z.B. die typische Western-Veranda, Fensterläden und Dächer, die jedoch im asiatischen Baustil. Selbst die Pendeltüre des Salons war mit asiatischen Symbolen verziert. Hinzu kam die Western-typische Farbgebung. Gleiches gilt für die Kleidung. Irgendwie Western, aber trotzdem modern. So fällt es auch weiter gar nicht auf, dass einige Charaktere Kapuzenpullover oder stinknormale Jeansjacken tragen. Es passt irgendwie, sieht stylish aus und wirkt wie das Set wie eine moderne Mischung zweier Stile.
Hinzu kamen etliche Anspielungen auf die Klassiker, auf welche sich "Sukiyaki Western Django" bezog. Die bekanntesten Elemente waren hier sicherlich der Sarg und das Kreuz, mit dem hier einer der Gangster erschlagen wurde und dessen Inschrift einen Grabstein zitiert,hinter dem sich Django im Originalfilm versteckte.
Einige Dinge hätte Miike besser machen können. Mir fehlte das typische Abgedrehte, die Verrücktheit seiner Filme ein wenig. Die Schiessereien waren für Miike-Verhältnisse sehr unblutig, der Stil hingegen biederte sich ein wenig an den Mainstream an. Offensichtlich versuchte er es hier, den Geschmack der breiten Massen zu treffen.
Natürlich gibt es immer noch durchgeknallte Charaktere in diesem Film. Dazu gehört z.B. Quentin Tarantino, einmal als Revolverheld und dann als alter Mann im Rollstuhl. Und beide Male wieder so,wie man ihn kennt: völlig frei von jedem schauspielerischen Talent. Man munkelt übrigens, dass Tarantino seinen Gastauftritt im Gegenzug zu Miikes Auftritt in "Hostel" absolvierte.
Viele Miike-Fans empfanden diesen Film als schrecklich schlecht, einige liebten ihn. Da mir Miike nicht immer gefällt und ich mich nicht als Fan bezeichnen würde, ging ich offensichtlich mit anderen Voraussetzungen an diesen Film heran. Und ich mochte ihn. Er zog sich stellenweise, was ein wenig den Spass dämpfte. Aber so übel wie viele anderen Miike-Filme war er sicherlich nicht.
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